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"Protokoll zur Veranstaltung:
Kleine Wasserkraft"
Am Dienstag 3.4.2012 lud MdL Ulrich Müller Vorsitzender des Landtagsausschusses für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft zu einem nachmittäglichen Informationsaustausch
zum Thema „Kleine Wasserkraft“ in Uhldingen- Mühlhofen ein. Unterstützt wurde er von seinem Kollegen im Ausschuss Karl-Wilhelm Röhm MdL für den Wahlkreis Hechingen-Münsingen
und Präsident der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke Baden-Württemberg e. V. und dem Vorsitzenden dieser Arbeitsgemeinschaft Elmar Reitter. Neben Landrat Lothar Wölfle
und den Fachreferenten Iris Steger und Thomas Kugel vom Landratsamt konnte weitere betroffene Kleinwasserkraftwerbetreiber und Interessierte, unter anderem auch unsere
Gemeinderäte Bernhard Vesenmayer, Gudrun Schmid und Valentin Gebhard begrüßen.
MdL Müller erläuterte die Problematik der Kleinwasserkraftwerke. Er verwies insbesondere auf höhere ökologische Anforderungen bei der Inbetriebnahme der Wasserkraftwerke
durch Anlegen von kostenträchtigen Fischtreppen. Andererseits werden solche bei stillgelegten Kleinkraftwerken nach derzeitigem Recht nicht verlangt, sodass erst durch die
Inbetriebnahme dieses Problem gelöst wird.
Frau Steger vom Amt für Wasser- und Bodenschutz referierte über die Ist- Situation im Bodenseekreis. 21 funktionierende und 7 nicht funktionierend Kleinkraftwerke
gibt es im Bodenseekreis. Diese Anlagen liefern nur 0,1% des Strombedarfs des Bodenseekreises bzw. 1,7 Mio. KWh. Durch Verbesserung und Wiederinbetriebnahme kann die
Leistung lediglich verdoppelt werden. Die verpflichtende Durchgängigkeit senkt natürlich den Ertrag, da die nutzbare Wassermenge sinkt.
Der Neubau von Wasserkraftwerken ist prinzipiell genehmigungsfähig, eine Einspeisevergütung nach dem EEG ist aber nur an bestehende und aktivierte stillgelegte
Anlagen gebunden, Eine Förderung ist für solche Fälle nicht vorgesehen, das EEG sollte insoweit geändert werden war die Forderung an die Politik. Nur so können neu
gebaute Kleinwasserkraftwerke wirtschaftlich betrieben werden. So erhält man derzeit für alte Kraftwerke ohne Fischtreppe 7 ct. mit Fischtreppe 12 ct. Einspeisevergütung.
Der Verband der Wasserkraftbetreiber forderte hier - um eine Perspektive für Kleinwasserkraftwerke zu schaffen – mindestens 17 ct..
Ein Teilnehmer monierte den momentanen Wirkungsgrad der Kleinkraftwerke von lediglich 17 %, was Frau Steger bestätigte. Um interessant zu sein müsste dieser jedoch
mindestens 50- 60% betragen. Dem Argument eines Kleinkraftwerkes, dass diese doch den Vorteil von weniger Leitungsverlust auf dem Weg zum Verbraucher hätten und sich
dies in der Vergütungshöhe doch niederschlagen müsste, entgegnete der Vertreter der EnBW, dass hier keine Ersparnis zu verzeichnen sei.
Als letzter referierte Herr Strasser vom Planungsbüro Eppler über das stillgelegte Kraftwerk in Mühlhofen an der Seefelder Ach. Er habe den Auftrag erhalten im Auftrag
der EnBW eine Reaktivierung zu beplanen. Das ganze Projekt kostet überschlägig 500.000.-€ für die Schaffung der Durchgängigkeit für Fische, der Sanierung der Baulichkeiten
und Überholung bzw. Ersatz der bestehenden Turbine. Eine 20% höhere Ausbeute ist damit verbunden.
Auf Nachfrage nach dem personellem Einsatz wurde mit 2% der Investitionssumme/ Jahr angegeben.
Anschließend an den Vortragsteil und begaben wir uns zum stillgelegten Kraftwerk vorort und anschließend nach Ahausen zu einem in der Projektierungsphase stehenden Anlage.
Bei der Abschlussbesprechung in der Gaststätte ’Zum Hecht’ in Ahausen zeigte Herr Nuber von der Energiegenossenschaft Rotach- Schussen- Argen eG anhand des Beispiels der
Reaktivierung des Wasserkraftwerks in Wiesertsweiler auf, welch ehrenamtlichen Einsatzes und Begeisterung es bedurfte, dieses Unternehmen zum Erfolg zu verhelfen. Ohne
ehrenamtliche „Kümmerer“ sind solch Kleinwasserkraftwerke derzeit nicht wirtschaftlich zu führen. Hohe Investitionskosten schrecken von einer Aktivierung ab, deshalb soll
geprüft werden inwieweit durch staatliche Zuschüsse diese Hürde verringert werden könnte.
Ein Beitrag hierzu war auch die Vorstellung einer neuen Turbinenbauart aus Österreich, die die Amortisation auf unter 10 Jahren senken könne. Offensichtlich finden jetzt
auch hinsichtlich der Wasserkraftwerke endlich nötige Weiterentwicklungen statt.
In erster Linie ist aber die Politik gefordert einen verlässlichen Rahmen zu schaffen, wenn gleich der Bodenseekreis nicht gerade der Landkreis ist, der für Wasserkraft
prädestiniert ist, aber man muss jede Ressource für die Energiewende nutzen. Zum Schluss fand noch ein reger Informationsaustausch statt. Alle Beteiligten waren sich darin
einig, dass das gezeigte Interesse an dem Ausbau der Wasserkraft positiv zu bewerten und der Fortsetzung bedarf.
Mit diesem positiven Resultat beendete MdL Ulrich Müller die interessante und informative Veranstaltung.
Die Bermatinger CDU Vorsitzende Carola Uhl lud öffentlich zu dem internationalen Forum Wasserkraft zum Thema „Kleinwasserkraftanlagen - Technik, Ökologie,
Wirtschaftlichkeit, Genehmigung, Organisation“ im Pfarrheim Bermatingen am 21.5.2012 um 19:00 Uhr mit der Möglichkeit ab 17:30 Uhr die
Ausstellung „Turbinentechnik und Wasserräder für Kleinanlagen“ zu besuchen, auf der namhafte Firmen ihre neueste Technik vorstellen werden.